Nizza DOCG – Warum dieser Wein alles verändert, was du über Barbera zu wissen glaubst
Es gibt Weine, die einen überraschen. Und dann gibt es Weine, die einen neu kalibrieren – die dazu führen, dass man eine Rebsorte, die man zu kennen glaubte, plötzlich mit völlig anderen Augen sieht.
Für mich war das Nizza DOCG.
Vor zwei Jahren saß ich zum ersten Mal im Piemont. Erster Besuch, erste Eindrücke – die sanften Hügel des Monferrato, die Stille zwischen den Weinbergen, der Nebel der sich morgens langsam hebt. Und dann, bei Michele Chiarlo, das erste Glas Nizza. Kurz danach ein zweites bei Guido Berta. Ich bin seitdem nicht mehr derselbe Weintrinker.
Barbera kannte ich bis dahin als das, was sie für viele ist: eine zugängliche, fruchtbetonte Sorte. Süffig, rotbeerig, angenehm säurebetont. Ein Wein für den Alltag. Was ich in diesem Glas traf, hatte damit kaum etwas gemein. Tiefe, Struktur, eine Komplexität die ich so von Barbera schlicht nicht erwartet hatte. Wie ist das möglich?
Was Nizza DOCG von gewöhnlicher Barbera unterscheidet
Nizza DOCG ist seit 2014 eine eigenständige Appellation – eine Unterzone der Barbera d’Asti, die ausschließlich aus dem Herzen des Monferrato stammt. Das Gebiet umfasst 18 Gemeinden rund um die Stadt Nizza Monferrato, und die Anforderungen sind streng: nur alte Reben, Mindestalkohol von 13 Prozent, und eine Reifung von mindestens 18 Monaten – bei der Riserva sogar 30 Monate, davon mindestens 6 im Holz.
Das Ergebnis ist ein Wein der sich vom typischen Barbera-Bild vollständig löst. Wo normale Barbera von ihrer natürlichen Säure und Fruchtigkeit lebt, zeigt Nizza eine tektonische Tiefe. Dunkle Kirschen, Leder, Tabak, manchmal Veilchen – und eine Tanninstruktur die man bei Barbera schlicht nicht erwartet. Dabei bleibt die sortentypische Säure erhalten und gibt dem Wein eine Frische und Länge, die ihn auf dem Tisch unvergesslich macht.
Warum kennt ihn trotzdem kaum jemand?
Das Piemont ist in der Weinwelt vor allem für zwei Namen bekannt: Barolo und Barbaresco. Beide aus Nebbiolo, beide mit Weltruf, beide mit entsprechenden Preisen. Nizza DOCG lebt im Schatten dieser Giganten – zu Unrecht, wie jeder bestätigen wird der ihn einmal ernsthaft getrunken hat.
Im deutschsprachigen Raum ist die Appellation noch weitgehend unbekannt. Kein großes Marketing, keine breite Distribution, keine Weinzeitschrift die ihn regelmäßig ins Rampenlicht stellt. Genau das macht ihn für uns so interessant. Wir sind überzeugt, dass Nizza DOCG zu den großen Entdeckungen der kommenden Jahre gehört – und wir sind froh, dabei zu sein bevor der Rest der Welt es merkt.
Die Winzer hinter dem Wein
Was einen Wein letztlich ausmacht sind die Menschen die ihn machen. Im Nizza-Gebiet arbeiten einige der gewissenhaftesten Winzer des Piemont. Wir kennen sie persönlich – haben ihre Keller gesehen, ihre Weinberge besucht, verstanden warum sie so arbeiten wie sie arbeiten.
Michele Chiarlo, einer der großen Namen der Region, war mein erster Kontakt mit Nizza. Sein Cipressi zeigt eindrucksvoll was die Appellation kann – kraftvoll und gleichzeitig elegant. Guido Berta, kleiner und familiärer, arbeitet mit einer Präzision die jeden Jahrgang zu einem Ereignis macht. Vinicola Arno und Tenuta Olim Bauda komplettieren unser Nizza-Sortiment – zwei Weingüter die den Charakter dieser Appellation auf ihre ganz eigene Weise interpretieren.
Wie trinkt man Nizza DOCG?
Nizza braucht Zeit. Im Glas, aber auch im Keller. Ein junger Nizza zeigt seine Kraft, kann aber noch etwas verschlossen wirken – eine Stunde in der Karaffe ist keine Übertreibung. Mit ein paar Jahren Reife öffnet er sich zu etwas Außergewöhnlichem.
Am Tisch ist er ein Wein der Substanz braucht. Geschmortes Fleisch, Wild, gereifter Käse – klassische piemontesische Küche trifft ihn perfekt. Aber auch ein einfaches Bistecca vom Grill mit gutem Olivenöl ist eine Kombination, die man sich merkt.
Trinktemperatur: 16–18 Grad. Nicht zu kalt – sonst verschließt er sich.
Ein letzter Gedanke
Weine die einen überraschen sind selten geworden. Die Weinwelt ist gut kartiert, die großen Namen bekannt, die Preise für Qualität entsprechend hoch. Nizza DOCG ist noch ein Geheimtipp – ein Wein der Barolo-Qualität in Reichweite bringt, ohne den Barolo-Preis zu verlangen.
Wenn du ihn noch nicht kennst: Es wird Zeit.
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